Freiwilligendienst in unseren Einrichtungen

Jahrgang 2016/17

FRANZI & FRANZ

„Nicht wichtig ist, wo du bist, sondern was du tust, wo du bist.“ (afrikanisches Sprichwort)

Seit ca. einem Jahr stand es für uns fest, einen Freiwilligendienst in Tansania, Afrika, zu leisten, um Neues zu erleben, den Horizont zu erweitern und in eine neue Kultur einzutauchen. Nachdem wir am Auswahlseminar für ein tansanisches Projekt gescheitert waren, begannen wir zu überlegen, ob ein Einsatz in Afrika das Richtige sei und unsere Pläne nicht doch einen anderen Weg einschlagen sollten.volunteer-franzi-franz

Nach einigen Wochen lernten wir zu einem Lobpreisabend in Annaberg Nicole, die Leiterin unseres jetzigen Projektes, kennen. Sie berichtete von ihrer Arbeit und gab Zeugnis von ihrem Leben mit Gott. Uns begeisterte es beide, von dem Projekt in Odessa, Ukraine, zu hören. Wir bemerkten, dass es nicht so wichtig sei, wo wir eingesetzt werden, sondern viel mehr was wir arbeiten würden. Und so glaubten wir, dass Gott einen anderen Plan für uns bereithielt!

Für uns stand es also fest – wir wollten nach Odessa gehen! Und zum Glück, ebneten sich alle weiteren Wege, sodass Nicole einwilligte und uns trotz Bewerbungsschluss die entsprechende Entsendeorganisation aufnahm.

 


Jahrgang 2013/14

FRANZISKA & TIMO

Привет!!!

Wir sind die neuen Freiwilligen aus Deutschland, die das Glück haben, ein Jahr lang Teil der Familie „Lebendige Hoffnung“ sein zu dürfen. Wir sind Franziska, 19 Jahre jung, lebhafte Fassenachterin aus Mainz und Timo, 19 Jahre alt, sturer Westfale aus einem kleinen, beschaulichen Kaff im Münsterland namens Coesfeld. Beide haben wir dieses Jahr erfolgreich unser Abitur bestanden und haben unsere vertraute Umgebung verlassen, um einen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst im schönen Odessa zu leisten.

Volunteer-Franziska-TimoIn den Tageszentren bieten wir neben Tanz- und Klavierworkshops auch Sprachunterricht in Deutsch und Englisch an. Mittlerweile beherrschen wir das ukrainische Uno schon besser als das Spielen mit dem Tischkicker oder Tischtennis. Auch die Sprache verstehen wir mit der Zeit mehr und mehr. Jeden Tag lernen wir etwas Neues dazu und haben viel Spaß bei unserer Arbeit. Das liegt vor allem an der herzlichen und liebenswürdigen Atmosphäre in den Tageszentren, die uns das Gefühl gibt, willkommen zu sein und gemocht zu werden.

Jede Maschrutkafahrt gleicht einem turbulenten Abenteuer und jede verspeiste Vareniki einer kulinarischen Achterbahnfahrt. Der ukrainische Alltag hält uns auf Trab und macht unser Leben hier doppelt spannend. Wir freuen uns, dass noch so viele Monate vor uns liegen, in denen wir entdecken, lernen und erfahren dürfen.

Пока, до свидания, hellau und tschüss!

Eure Njemezkis 😉


Jahrgang 2012/13

Unsere „Neuen“ stellen sich vor: NORA & LENNART

Hallo zusammen!

Wir sind die neuen Freiwilligen aus Deutschland, beide aus der Nähe von Stuttgart. Wir heißen Nora und Lennart und durften beide schon unseren 19. Geburtstag hier erleben. Seit Anfang September sind wir jetzt in der Ukraine und haben uns mittlerweile schon gut eingelebt. Wir arbeiten abwechselnd in den beiden Tageszentren von „Lebendige Hoffnung e.V.“, was uns viel Freude bereitet.

Volunteer-Lennart-NoraWir lernen mit den Kindern zusammen Gitarre, Deutsch (Lennart) und Englisch (Nora), wahrscheinlich bald auch noch Flöte. Jetzt am Anfang sind das ganz einfache Akkorde oder „Hallo“ und „Tschüs“ zu sagen. Für die Kleinen ist alles noch sehr neu, die Größeren kennen vieles schon aus den letzten Jahren.

Auch wir lernen viel zu dazu. Unser Russisch wird mit jedem Tag besser, vor allem, weil uns von allen sehr viel Geduld und Hilfsbereitschaft entgegengebracht wird. Dabei hilft uns der Russischunterricht im nahe gelegenen Gymnasium, wo wir im Austausch einmal die Woche die Deutschklassen besuchen und den Unterricht mit Spielen ein bisschen auffrischen.

Wir sind froh, hier neue Erfahrungen sammeln und auch die Stadt und das Land im Laufe des Jahres kennen lernen zu dürfen.

Herzliche Grüße aus Odessa!

Nora und Lennart


Jahrgang 2009/10

RAPHAELA

Mein Name ist Raphaela und ich habe von September 2009 bis August 2010 einen Freiwilligendienst über das Programm „weltwärts“ in den Einrichtungen des Lebendige Hoffnung e.V. in Odessa geleistet. Ausgesendet wurde ich über den Initiative Christen für Europa e.V.

Volunteer-RaphaelaIch war dort drei Mal in der Woche im alten Tageszentrum und zwei Mal im neuen Tageszentrum jeweils von 12 bis 18 Uhr eingesetzt und habe beim Erledigen von Hausaufgaben, Vorbereiten des Mittagessens, Einkaufen, Gestalten von Freizeitaktivitäten und beim Aufräumen und Putzen mitgeholfen. Ich habe auch Kleingruppen in Englisch „unterrichtet“ bzw. ein bisschen Nachhilfe gegeben und war gerne bereit, außerhalb meiner Arbeitszeiten Kleinigkeiten zu erledigen, wenn ich damit die Mitarbeiter entlasten konnte. Zusätzlich dazu habe ich in einem nahegelegenen Gymnasium zusammen mit einer Lehrerin den 5. Klassen Deutschunterricht gegeben. Bei diversen Ausflügen und Ferienlager des Tageszentrums und meiner Deutschklasse war ich auch immer mit Freude dabei.

Für mich war diese Zeit in der Ukraine wirklich unvergesslich und sehr, sehr reich an Erfahrungen, die sowohl mich als auch allen Menschen mit denen ich zu tun hatte (so hoffe ich zumindest) weiter gebracht haben. Ich habe nicht nur eine neue Kultur, Arbeit und Sprache kennengelernt sondern auch ein völlig neues Verständnis für diese Menschen dort und fühle mich nach dieser intensiven Zeit mit dem Land und seinen Leuten verbunden. Dafür bin ich vor allem den Kindern furchtbar dankbar. Danke für die viele Geduld, für die einmaligen Erlebnisse, für die tollen Gespräche, für die vielen lustigen, traurigen, anstrengenden Stunden, danke für alles.

Raphaela


Jahrgang 2005/06

MADLEN

Als ich am 2. September in Berlin in den Zug stieg, welcher mich nach Odessa bringen sollte, wusste ich eigentlich noch nicht, wohin die Reise gehen sollte. Meine Reise im Kopf hatte noch längst nicht begonnen… . Sechs Monate Freiwilligendienst sind nun zu ende und es ist mir selbst ein großes Vergnügen zu sehen, wohin ich gegangen bin. Das Projekt „Lebendige Hoffnung“ wurde zu einem großen Teil meiner Erfahrungs- und Lebenswelt und gleichzeitig zum Sprungbrett, das mir zu mehr Blickwinkeln und Sichtweisen für dieses Land verhilf. Die professionelle Konzeption dieser Arbeit gab mir viel Sicherheit und Mut, auch eigene Ideen in das Projekt einzubringen.

Zielgruppe dieser Arbeit sind Kinder im Alter von 6 bis 17 Jahren aus sozial schwachen Familien. Sie besuchen das Zentrum um Aufmerksamkeit, Liebe, Geborgenheit und Unterstützung zu erfahren, um an diesem Ort zu spüren, dass sie von ganzem Herzen gewollt sind. Der Glaube hilft, auch in schwierigen Situationen!

Kurz nach 12 Uhr kommen die ersten Kinder aus der Schule, deren Besuch oberstes Gebot ist. Hausaufgaben müssen erledigt werden, bevor es zum Spielen geht Dabei wird ihnen stets geholfen. Pünktlich um drei Uhr versammeln sich ca. 25 bis 30 Kinder, um gemeinsam zu essen. Für Einige ist es die erste Mahlzeit am Tag. Und es wird gebetet. An keinem Tag soll vergessen werden, für das was man erlebt, erfahren hat und bekommt DANKE zu sagen. Es soll an die Kinder gedacht werden, die vielleicht zur Zeit krank sind, an Eltern, denen es schlecht geht und auch stets an Wika, ihre gemeinsame Freundin, die seit über einem Jahr, nach einem Autounfall, schwer behindert im Rollstuhl sitzt.
Die Gedanken der Kinder sind kostbar und mitfühlend. Viele Gespräche laufen zwischen den Alltagshandlungen ab. Wer Kleidung braucht, bekommt welche, wer duschen muss, darf dies stets tun. Manche Kinder brauchen Schulsachen, haben Sorgen oder es gibt Probleme mit den Eltern… große Probleme.

Sehr oft ist ein Elternteil bereits an Krankheit, Alkohol oder Drogen gestorben und der andere Elternteil einem täglichen Kampf ausgesetzt… einem Kampf, den man kaum sehen kann, wenn man durch die Einkaufsmeilen Odessas läuft, die prächtigen Häuser und Museen bewundert. Es ist der tägliche Kampf um Brot, oft um die Befriedigung einfachster Grundbedürfnisse, welcher soviel Kraft kostet. Doch dieser Kampf ist zermürbend und hinterlässt tiefe Spuren, die sich sehr oft negativ aus die Eltern-Kind Beziehung auswirken und nicht selten im Zuspruch zum Alkohol endet. Oft hab ich mich gefragt, was ich tun kann, was ausreichend ist und wie ich, wenn auch nur für kurze Zeit diesen Menschen dienen kann. Ob es mir gelungen ist?

Ich übernahm alltägliche Aufgaben, sorgte zusammen mit einer anderen deutschen Helferin für Essen und Freizeitgestaltung. Schon in Deutschland bereitete ich mich darauf vor, den hier begonnen Deutschunterricht für die meisten der älteren Kinder fortzuführen. Dabei habe ich schnell gelernt, dass es nicht darauf ankommt einwandfreie Lernsituationen herzustellen und so viel Wissen wie möglich zu vermitteln, sondern einfach da zu sein, zuzuhören… und das auch bei Themen, die nichts mit Unterricht gemein haben. Es war mir wichtig eine Situation zu schaffen, in die sich die Kinder gern hineinbegeben, in welcher sie lernen können aber in welcher auch Raum für den Einzelnen bleibt.
Meine Berufsausbildung half mir, ein eigenes kleines Projekt zu initiieren und Bewegungstherapie für lernschwache Kinder anzubieten. Es war mein Ziel, den Kindern zu ermöglichen, sich in einem Raum ungestört bewegen zu können, um den eigenen Körper kennen zu lernen und kleine Entwicklungsschritte aufzuholen. Für solche Hilfsangebote fehlen einem Land, wie der Ukraine, oft die Energien, die Möglichkeiten und nicht selten das Verständnis. In allen Dingen wurde ich dabei unterstützt und konnte mich frei entfalten. Doch die Arbeit von 12-18 Uhr war nicht die Einzige, bei der wir helfen konnten.

Zwei mal pro Woche besuchten wir die Mutter eines unserer Kinder. Sie litt an Multiple Sklerose und starb im März 2006. Sie war zwei Jahre bettlägerig und lebte mit ihrem elfjährigen Sohn in sehr ärmlichen Verhältnissen. Der Wunsch nach Kontakt, nach Aufmerksamkeit und Zuwendung stand bei all meinen Besuchen im Vordergrund. Nebenbei erhielt auch sie Deutschunterricht, ich half im Haushalt und wenn sie es wünschte, erhielt sie Massagen. Das Leben dieser Frau beeindruckte mich sehr.

Ein mal pro Woche besuchten wir die zwölfjährige Wika, welche nach einem schweren Autounfall im Rollstuhl sitzt. Sie lebt mit ihrer sehr fürsorglichen Mutter im 8.Stock eines der umliegenden Hochhäuser. Wir konnten nicht sehr viel tun, außer für sie da zu sein, zuzuhören und sie durch Lieder und kleinen Gespräche zu erfreuen. Jedes mal wenn ich ging wusste ich, dass es sehr wichtig war, da gewesen zu sein.

In meiner Arbeit erlebte ich große Freiheiten, die Aufgaben zu übernehmen, die mir liegen. Es wird nicht gefordert irgendetwas weiterzuführen, das nicht in den Möglichkeiten des Einzelnen liegt, sondern jeder Helfer darf sich so einbringen, wie er es kann. Wichtig dabei ist, dass kleine Ideen da sind, welche mit den Kindern umgesetzt werden können. Doch wie bereits erwähnt, verhalf mir dieses Projekt noch zu anderen, neuen Begegnungen, die mir weitere Aspekte des ukrainischen Lebensalltages zeigten. Meist am Wochenende besuchte ich hier ansässige Russlanddeutsche, welche durch Studenten aus Odessa Hilfe erfahren. Ich war begeistert bei diesen Menschen sein zu dürfen, die mich stets mit Geschichten und Bildern aus ihrem bewegten Leben beschenkten.

Ich feierte Weihnachten in zwei abgelegenen Dörfern, die die Bundesregierung Deutschland für russlanddeutsche Aussiedler aus Mittelasien gebaut hatten. Ich nahm an einer Konferenz über ethnische Minderheiten in der Ukraine in Kiew teil. Ich traf Menschen und führte oft Gespräche, die mir die Lebenswelt hier nahe brachten. Dies alles zu erleben ist abhängig vom persönlichen Interesse und dem Wunsch nach anderen Begegnungen. Es liegt in der Hand des Einzelnen, sich der ukrainischen Lebenswelt anzunähern.

Im Projekt findet man Arbeit, Unterstützung und Zuspruch. Es wird geholfen eine Unterkunft zu finden und sich einzuleben. Viele nahe Beziehungen können in dieser familiären Atmosphäre entstehen. Der Sinn, die Ziele und besonders deren Umsetzung im Tageszentrum sind sehr gut. Sie sind lebensnah, niedrigschwellig, erreichen arme Kinder und deren Familien, wodurch diese Arbeit, meiner Meinung nach, kontinuierlich durch Hilfen und Freiwilligendienstler aus Deutschland unterstützt werden sollte. Um auch die Arbeit mit den Eltern zu professionalisieren würde ich gern weiter im Rahmen meines Studiums durch Hilfsarbeiten dem Projekt zur Verfügung stehen.

~ Madlen Grolle (Rostock)