Rundbrief März 2007

„Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde: geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit; pflanzen hat seine Zeit, ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit; töten hat seine Zeit, heilen hat seine Zeit; abbrechen hat seine Zeit, bauen hat seine Zeit; weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit; klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit; Steine wegwerfen hat seine Zeit, Steine sammeln hat seine Zeit; herzen hat seine Zeit, aufhören zu herzen hat seine Zeit; suchen hat seine Zeit, verlieren hat seine Zeit; behalten hat seine Zeit, wegwerfen hat seine Zeit; zerreißen hat seine Zeit, zunähen hat seine Zeit; schweigen hat seine Zeit, reden hat seine Zeit; lieben hat seine Zeit, hassen hat seine Zeit; Streit hat seine Zeit, Friede hat seine Zeit.“ – Prediger 3:1-8

march2007-babyDer 02.03.2007 war ein Tag der mir die Tatsache, dass alles im Leben seine Zeit hat, wieder einmal sehr bewusst gemacht hat. An diesem Freitag wurde die kleine Schwester von Mischa geboren – sozusagen haben wir im Tageszentrum wieder einmal Nachwuchs bekommen. Die Mutter von Mischa hatte sich im Vorfeld große Sorgen gemacht – alleinerziehende Mutter von 39 Jahren, die sich ihren Unterhalt mit schwerer Arbeit verdient. Das Geld reicht kaum zum Leben, wie soll man das die Kosten für die Geburt im Krankenhaus aufbringen? Wir konnten sie ermutigen, sich auf Gott zu verlassen und Er hat wirklich alles wunderbar gemacht. Innerhalb von einer Stunde kam die kleine Eleonara kerngesund zur Welt und schon nach drei Tagen konnten sie nach Hause entlassen werden.

Der 02.03.2007 war auch der 1. Todestag von Ludmila, der Mutter von Serjoscha. Vor einem Jahr hatte ich sie beim Sterben begleiten dürfen. Sicher fragen sich viele, die unsere Arbeit schon länger begleiten, wie es Serjoscha heute geht. Ehrlich gesagt, geht es ihm besser als früher: seine Tante hat die Pflegschaft für ihn übernommen und er wohnt heute in einem geordneten Haushalt, in dem er sich normal entwickeln kann. Unser Tageszentrum besucht er regelmäßig und auch in der Schule gibt es keine Probleme. So hat Gott eben für alles und für jeden seine Zeit und auch wenn wir, die Dinge die geschehen nicht immer gleich verstehen, dürfen wir Gottvertrauen haben.

Seit wir wieder alle in Odessa sind, haben sich natürlich schon wieder viele Dinge ereignet. Manchmal hat man den Eindruck, dass die Zeit dahinfliegt. Unsere Kinder machen uns viel Freude, obwohl mit zunehmenden Alter auch ihre Probleme wachsen und es ist nicht immer leicht ist, zu jedem den richtigen Zugang zu finden. Aus vielen kleinen Kindern ist eben inzwischen eine Schar von Teenagern geworden. Wir sind froh, dass Annett und Christian aus Deutschland unser Team verstärken, die sich später noch selbst vorstellen werden.

march2007-frauentagAm 08. März hatten wir eine sehr schöne Frauentagsfeier, die von vielen Müttern und Großmüttern gern besucht wurde. Die Kinder hatten ein kleines Kulturprogramm vorbereitet, und waren ganz stolz, es Ihren Müttern vorführen zu können. Auch die selbstgebastelten Geschenke kamen sehr gut an. Am 12. April planen wir ein nächstes Treffen mit den Eltern anlässlich des Osterfestes. Es ist schön zu sehen, dass sich die Beziehungen der Eltern untereinander und auch zu uns mit jedem Zusammenkommen vertiefen. Froh und dankbar sind wir, dass wir für die Räume unseres Tageszentrums einen dreijährigen Mietvertrag bekommen haben. Es war das erste Mal, dass das ohne Schwierigkeiten möglich war. Gott sei Dank!! Nur für das zweite Zentrum liegen die Verträge zur Unterschrift schon seit Oktober 2006 bei der Stadtverwaltung. Mündliche Zusagen haben wir schon lange, aber leider noch nichts schriftliches. Aber selbst in dieser Situation merken wir, dass Gott sie zum Besten für uns wendet. Wir haben durch diese Geschichte viele einflussreiche Menschen aus Politik und Wirtschaft kennengelernt, die uns ihre Unterstützung zugesagt haben. Besonders im Umgang mit diesen Leuten brauchen wir Gottes Weisheit.

Den Ausbau des zweiten Tageszentrums betreffend, hatten wir ein Treffen mit den Chefs der Firma SCHÜCO Fensterbau, die uns die Fenster zu einem symbolischen Preis herstellt und einbaut. Ist das nicht wunderbar?! Für die Maurerarbeit haben Bauarbeiter aus unserer Kirchgemeinde zugesagt. Bitte betet also für eine baldige Unterschrift unter den Mietvertrag, so das die Renovierungsarbeiten beginnen können.

Vom 27.03. bis 30.03. bin ich zu einem Seminar in Tschechien eingeladen, dass von der EU organisiert wird. Es geht um Kinder in Not und es kommen Vertreter aus über 10 Ländern zusammen. Wir sind die einzige Organisation aus der Ukraine, die eingeladen wurde. Alle Kosten (Flug, Unterkunft …) werden von der EU übernommen. Für mich ist es das erste Mal, dass ich Slavik mit den Kindern für drei Tage allein lasse. Manch einem mag das komisch erscheinen, doch für mich stellt das eine echte Herausforderung dar. Und nun lassen wir noch Annett und Christian zu Wort kommen:


„Der HERR hat mir geantwortet: Ich sage dir, was du tun sollst, und zeige dir den richtigen Weg. Ich lasse dich nicht aus den Augen.“ – Psalm 32, 8

Bereits seit längerer Zeit überlegte ich, wie meine alten eingefahrenen Wege weitergehen sollten. Bei einer Kur gab mir Gott neue Kraft, Ideen und den Mut, einen lang ersehnten und innerlich march2007-anett-hungerauch vorbereiteten Neubeginn zu wagen. Und dann wusste ich, dass ER meine Gebete erhört hatte, denn so lernte ich den Verein „Lebendige Hoffnung e.V.“ näher kennen, als dieser mit einer Gruppe Kindern aus Odessa letzten Sommer in Deutschland weilte. Während eines 3-tägigen gemeinsamen Ausfluges nach Dresden durfte ich schon mal Helferluft schnuppern, und mir wurde klar, dass dieser Verein nicht nur Kinder und Jugendlichen aus sozial schwachen Familien in Odessa lebendige Hoffnung gibt, sondern auch mich neue Wege gehen lassen kann.

Somit verließ ich nun im September 2006 meine gewohnte Umgebung, um für mindestens ein Jahr als ehrenamtliche Helferin in diesem Verein tätig zu sein (und so Gott will und auch finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, würde ich nun meine Zeit hier gerne verlängern!).

Im Zentrum übernehme ich alltägliche Aufgaben, sorge für Essen, Freizeitgestaltung, unterrichte Deutsch und begleite auch mal Kinder in die Poliklinik. Ich habe noch keinen Tag meine Schritte auf dem neuen Weg bereut, in keiner Sekunde!!!

„DAS WILL ICH MIR SCHREIBEN IN HERZ UND SINN; DASS ICH NICHT FUER MICH AUF ERDEN BIN; DASS ICH DIE LIEBE; VON DER ICH LEB; LIEBEND AN ANDERE WEITERGEB.“

– Annett Hunger


Ich heiße Christian Wiegand, bin 29 Jahre jung und lebe eigentlich in Zwickau. Eigentlich deshalb, weil ich zur Zeit für knappe vier Monate die Arbeit hier in Odessa tatkräftig unterstütze. Anfang march2007-christian-wiegandJanuar stellte Nicole diese Arbeit in unserer Gemeinde vor und meinte, sie würde sich immer über Unterstützung und Hilfe freuen. Ich bin von Beruf Erzieher und war zu der Zeit arbeitssuchend. Nach Gebet und Rücksprache mit Freunden, die diese Arbeit kennen war klar, dass ich in der Ukraine Nicole, Slavik und die anderen Mitarbeiter unterstützen würde. Meine Begabungen liegen unter anderem im sportlichen Bereich – schon während der ersten Woche sah ich, dass ich damit hier gut helfen kann. Auch verschüttete russische Vokabeln aus dem damaligen Unterricht kommen langsam wieder an die Oberfläche – ich kann schon herzlich begrüßen, sagen dass ich nichts verstehe und mich wieder verabschieden.

Ich wurde hier herzlich empfangen und gut aufgenommen, bin bisher weder überfallen, ausgeraubt noch verprügelt worden, auch bin ich noch nicht in einen der vielen offenen Gullis gefallen. So sehe ich zuversichtlich in die nächste Zeit und hoffe, das meine Arbeit hier allen zum Segen wird.

– Christian Wiegand


Annett und Christian sind ein Segen für uns und unseren Dienst. Wie bereits die vielen anderen Freiwilligen, die bei uns waren, bringt jeder von ihnen gute Ideen für den Tagesablauf und die Beschäftigung der Kinder und Jugendlichen mit. Außerdem verlernen Rebekka, Sarah und ich nicht die deutsche Sprache.

Im September haben wir in Zusammenarbeit mit dem in Dresden ansässigen Verein „Initiative Christen für Europa“ wahrscheinlich die Möglichkeit, wieder zwei junge Leute aus Deutschland bei uns aufzunehmen. Auch für dieses Jahr haben sich wieder viele Gäste angesagt. Sieglinde, die ja schon zu unserer großen Tageszentrumsfamilie gehört, hat den Anfang gemacht und war zwei Wochen hier. Gerade ist Marlen Schramm für drei Wochen da. Außerdem kommen immer häufiger nationale und internationale Tagesgäste, die sich für unser Projekt interessieren. Für April hat sich UNICEF aus Kiew angemeldet. Wir sind sehr daran interssiert, in Zukunft enger mit ihnen zusammen zu arbeiten.

Auch heute möchten wir allen herzlich danken, die uns unterstützen, für uns beten und uns nicht vergessen. Vielen Dank für alle Spenden, Anrufe und E-Mails. Gott segne Euch!

Herzliche Grüße aus Odessa

von Slavik, Nicole, Rebekka und Sarah sowie den Kindern und Mitarbeitern des Tageszentrums


Kontakt: borisuk@web.de, Tel.: 00380487433043
Lebendige Hoffnung e.V., Konto: 3442001004, BLZ: 87054000, Sparkasse Erzgebirge

Nicole Borisuk

Nicole Borisuk

Leiterin „Lebendige Hoffnung Odessa"